Callisto und Arcas

Die Metamorphose der Callisto und ihres Sohnes Arcas beschreibt Ovid im 2. Buch der „Metamorphosen“.
Während Jupiter prüft, ob auf der Erde alles nach Recht und Ordnung verläuft, verweilt sein Auge auf dem arcadisch
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Bonza Sheila's Art Of Love Archive For January, 2007
en Mädchen Callisto. Sie ist eine Anhängerin der jungfräulichen Nymphen um Diana, die zu Keuschheit verpflichtet sind.

Callisto, müde von der Jagd, legt sich auf den weichen Grasboden, um eine Pause zu machen. Jupiter, dem Callisto sehr gut gefällt, plant, die Jungfrau zu verführen, ohne dass seine Gattin Juno etwas erfahren sollte. Er verkleidet sich und erscheint in Dianas Gestalt vor Callisto, die, im Glaube, dass es sich um ihre geliebte Freundin handelt, ihn freudig begrüßt. Er beginnt sie zu küssen, aber nicht in züchtigem Maß und nach Sitte der Jungfrauen, und das Mädchen, das allmählich ahnt, dass es sich hierbei nicht um Diana handelt, versucht sich zu wehren. Doch gegen den Göttervater ist die zierliche Callisto machtlos und so verliert sie ihre Jungfräulichkeit.
Über die Monate wächst dem jungen Mädchen ein Bäuchlein, das sie beim gemeinsamen Baden mit dem Gefolge zu verstecken versucht. Mit den Händen will sie ihren Körper verbergen und vor Scham über das Geschehene errötet sie, was Diana misstrauisch werden lässt. Sie zwingt Callisto dazu, ihre Hände wegzunehmen und es wird offensichtlich, dass sie schwanger ist. Zornig darüber, dass Callisto ihre Jungfräulichkeit verloren hatte, verbannt sie sie aus ihrem Kreis.
Jupiters Frau, die schon lange von dem Seitensprung ihres Mannes wusste, wartete inzwischen einen passenden Zeitpunkt ab, um Callisto zu bestrafen. Als sie ihren Sohn Arcas erblickt, wird sie furchtbar zornig. Die Schandtat ihres Mannes ist nun offensichtlich. Sie wirft Callisto zu Boden und verwandelt sie in eine hässliche Bärin, die nicht mehr fähig ist zu sprechen, dabei aber ihr früheres Bewusstsein beibehält.
Am Höhepunkt des tragischen Geschehens trifft Arcas bei der Jagd auf die Bärin, die er natürlich nicht als seine Mutter erkennt. ([V502]„Er wich zurück und erschrak, nichts ahnend, vor ihr, die fest den Blick auf ihn gerichtet hielt und sich nicht sattsehen konnte. Und als sie Verlangen zeigte, sich ihm zu nähern, schickte er sich an, ihr die Brust mit der verletzenden Waffe zu durchbohren.“ [V505]) In diesem Moment greift Jupiter ein und entrückte sie zusammen in einem Sturmwind, versetzte sie an den Himmel und machte sie zu benachbarten Sternbildern. Diese sind heute als großer und kleiner Bär zu sehen.


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Stellagrapher


Interpretation:
In dieser Geschichte steht die Vergänglichkeit in der Gestalt Callistos und ihres Sohnes Arcas im Zentrum. Callisto wird einer Verwandlung zu einer Bärin unterzogen, sie kann also ihre menschliche Gestalt und ihre Fähigkeit zu sprechen, nicht beibehalten. Sie ist vergänglich. Lediglich ihr früheres Bewusstsein kann sie behalten, vergleichbar mit den Erinnerungen an etwas Vergangenes.
Während Callisto als Bärin und ihr Sohn als Jäger noch vergänglich sind, ändert sich dieser Zustand durch Jupiters Eingreifen. Er erbarmt sich ihrer und macht sie zu etwas Unvergänglichem, indem er die beiden als Sternbilder am Himmel erscheinen lässt.
Die Sternbilder, der kleine und der große Bär, sind auch heute noch zu sehen, was als Beweis für ihr ewiges Bestehen gelten könnte.
Wann immer wir in den Nachthimmel schauen, erinnern uns die Sternbilder an Callisto und Arcas.